Blizzard hat auf der BlizzCon 2026 die erste neue Warcraft-III-Kampagne seit über 20 Jahren vorgestellt – und sie nicht für irgendwann angekündigt, sondern noch am selben Tag veröffentlicht. Warcraft III Reforged: Forsaken Kingdom ist seit dem 12. September 2026 verfügbar.[2] Der Umfang, den Blizzard selbst nennt: über 30 Stunden neuer Kampagneninhalt.[2] Schauplatz sind die letzten Tage von Lordaeron – der Untergang einer großen Stadt und die Gründung einer anderen.[2]
Die beiden Trailer erschienen am 12. September 2026 kurz nacheinander auf dem offiziellen World-of-Warcraft-YouTube-Kanal.[1][2] Das Cinematic entstand nach Blizzards Angaben in Zusammenarbeit mit dem ungarischen Animationsstudio Digic Pictures.[1]
Was in Forsaken Kingdom steckt
Nach der offiziellen Produktseite ist Forsaken Kingdom zweiteilig aufgebaut: Auf eine Prolog-Kampagne mit dem Titel „The Last Days of Lordaeron" folgt die eigentliche Hauptkampagne „Forsaken Kingdom".[3] Blizzard beschreibt sie als Geschichte, in der „das Schicksal von einem heiligen Krieger entschieden wird, der dem Licht über den Tod hinaus dient" – und verspricht, dass Spieler im Prolog „den neuesten Helden Azeroths kennenlernen und die Ursprünge der ikonischen Undercity entdecken".[3]
PC Gamer, das vor der Eröffnungszeremonie an einem Pressetermin teilnehmen konnte, ordnet die Handlung konkreter ein: Der Prolog erzähle die Geschichte von Arthas, der Hauptteil danach drehe sich um die Undercity als Hauptstadt des untoten Forsaken Kingdom, mit Figuren wie Sylvanas, Putress und der Scarlet Crusade.[4] Diese Detailzuordnung stammt vom Fachmedium, nicht aus Blizzards eigenem Material – wir kennzeichnen sie deshalb als Fremdbericht.
Mit der Kampagne kommt außerdem ein neuer Held, der laut Blizzard erstmals seit über 20 Jahren wieder eine Ergänzung im Mehrspieler-Modus darstellt und dort in allen drei Spielvarianten – Classic, Definitive Edition und Reforged – zur Verfügung steht.[3] Dazu nennt die Produktseite ein überarbeitetes Inventarsystem, einen erweiterten World Editor und zusätzliche Spielserver als Bestandteile des Forsaken-Kingdom-Pakets.[3]
Beim Editor wird Blizzard etwas konkreter: Genannt werden ein Cinematic Editor, ein Lighting Editor und eine verbesserte Objektverwaltung.[3] Für die Custom-Map-Szene, die Warcraft III jahrzehntelang am Leben gehalten hat, ist das der interessantere Teil der Meldung – aus dem Editor dieses Spiels sind seinerzeit ganze Genres hervorgegangen.
Das Update, das mitkommt
Parallel zur Kampagne erhält Warcraft III: Reforged ein technisches Update. Die offizielle Produktseite führt unter dem Basisangebot „Warcraft III: Reforged" ein Definitive Edition Update auf und listet dazu überarbeitetes Terrain, neue Beleuchtung und Schatten, anpassbare Profile, Bestenlisten im Spiel, eine gewertete Ranglistenleiter, Clans, Kampagnen-Skins, Unterstützung für eigene Kampagnen und neue Icons.[3] Ergänzend nennt die Seite einen optionalen HD-Modus, der den ursprünglichen Grafikstil von Warcraft III erhält, statt ihn zu ersetzen.[3]
Dass dieses Update kostenlos ist und intern als Version 3.0 geführt wird, berichtet PC Gamer.[4] Auf den offiziellen Blizzard-Seiten, die wir zum Zeitpunkt dieser Meldung einsehen konnten, taucht weder die Versionsnummer noch das Wort „kostenlos" auf – wir führen beides deshalb als Fachmedien-Angabe und nicht als bestätigte Herstellerinformation.
Beim Kauf unterscheidet Blizzard mehrere Pakete: die Kampagne einzeln, ein Kombi-Angebot aus Reforged und Forsaken Kingdom sowie eine „Warcraft Forever Collection", die zusätzlich einen Inhalts-Pack für World of Warcraft: Forever freischaltet und laut Produktseite nur befristet bis zum 12. Januar erhältlich ist.[3] Preise nennen wir hier bewusst nicht: Sie hängen von Region und Paket ab und stehen im jeweiligen Shop.
Warum das mehr ist als eine neue Kampagne
Hier liegt die eigentliche Geschichte. Warcraft III: Reforged erschien im Januar 2020 als Neuauflage des RTS-Klassikers von 2002 – und wurde zu einem der am schlechtesten aufgenommenen Blizzard-Produkte überhaupt. Forbes berichtete am 31. Januar 2020 von einem Nutzerwert auf Metacritic von 0,8 von 10 und bezeichnete das als damaligen Negativrekord der Plattform.[5]
Newsweek listete wenige Tage später die Kritikpunkte auf: mittelmäßige Grafik, fehlende Funktionen, wiederverwendete Assets, Login-Probleme sowie Bild- und Tonfehler im Classic-Modus.[6] Blizzard reagierte am 3. Februar 2020 mit einer Entschuldigung im offiziellen Forum – Community Manager Kaivax schrieb: „We want to say we're sorry to those of you who didn't have the experience you wanted, and we'd like to share our plans for what's coming next."[6] Parallel wurden Rückerstattungen über ein Support-Formular weitgehend automatisiert gewährt.[6]
Sechs Jahre später liefert Blizzard nach. Das ist der Unterschied zu den meisten BlizzCon-Meldungen dieses Wochenendes: Forsaken Kingdom ist keine Ankündigung für die Zukunft, sondern eine Nachlieferung mit Erscheinungsdatum „heute". Für ein Produkt, dessen Vorgeschichte vor allem aus nicht eingelösten Zusagen bestand, ist die Reihenfolge – erst liefern, dann reden – die passende Antwort. Ob sie inhaltlich trägt, entscheiden die kommenden Wochen, nicht der Erscheinungstag; eine Bewertung der Kampagne steht hier ausdrücklich noch aus.
Wer sich an die Vorgeschichte erinnert: Wir haben seinerzeit bereits über die Verschiebung von Warcraft III: Reforged berichtet – schon damals ging es um Zusagen, die sich verzögerten.
Einordnung in den BlizzCon-Tag
Forsaken Kingdom fügt sich in ein Muster, das die BlizzCon 2026 bislang prägt: Blizzard greift auf ältere Marken zurück. Am selben Tag hat das Studio den Nachfolger Diablo V für Frühjahr 2029 bestätigt und die Rückkehr von StarCraft als Open-World-Shooter für 2030 angekündigt. Beides liegt Jahre in der Zukunft. Warcraft III ist der einzige Teil dieser Reihe, der bereits heute spielbar ist.
Dass Blizzard dabei ausgerechnet auf ein 24 Jahre altes Strategiespiel setzt, ist weniger überraschend, als es klingt. Die Warcraft-Marke lebt seit Jahren von ihrer Geschichte – wie stark das nachwirkt, zeigt etwa unser Rückblick auf zehn Jahre WoW: Legion.
Was offen bleibt
Zum Zeitpunkt dieser Meldung – wenige Stunden nach der Ankündigung – ist einiges noch nicht belegt: Es gibt keine offiziellen Angaben zu Systemanforderungen für die neue Kampagne, keine Aufschlüsselung, wie sich die über 30 Stunden auf Prolog und Hauptkampagne verteilen, und keine bestätigten Angaben dazu, in welchem Umfang das technische Update auch Besitzer der Classic-Fassung erreicht. Wir tragen das nach, sobald Blizzard dazu belastbare Informationen veröffentlicht.
Quellen
[1] Offizieller World-of-Warcraft-YouTube-Kanal, „Warcraft III Reforged: Forsaken Kingdom | Launch Trailer", 12.09.2026 – https://www.youtube.com/watch?v=I1kXClUCyuA [2] Offizieller World-of-Warcraft-YouTube-Kanal, „Warcraft III Reforged: Forsaken Kingdom | Gameplay Trailer", 12.09.2026 – https://www.youtube.com/watch?v=m-C20pyrvjk [3] Blizzard Entertainment, offizielle Produktseite „Warcraft III: Reforged", abgerufen am 12.09.2026 – https://warcraft3.blizzard.com/en-us/ [4] PC Gamer, Tyler Wilde, „Blizzard just dropped a new Warcraft 3 campaign, the first in 23 years", 12.09.2026 – https://www.pcgamer.com/games/rts/blizzard-just-dropped-a-new-warcraft-3-campaign-the-first-in-23-years/ [5] Forbes, Paul Tassi, „Warcraft 3: Reforged Has A Record Low 0.8 Score On Metacritic As Fans Are Furious", 31.01.2020 – https://www.forbes.com/sites/paultassi/2020/01/31/warcraft-3-reforged-has-a-record-low-08-score-on-metacritic-as-fans-are-furious/ [6] Newsweek, Steven Asarch, „'Warcraft 3: Reforged' Refunds & Apology Issued After Review Controversy", 04.02.2020 – https://www.newsweek.com/warcraft-3-reforged-refunds-apology-review-bomb-response-1485683


