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Donkey Kong war fast ein Popeye-Spiel: Die Entstehungsgeschichte von Nintendos Arcade-Meilenstein

Donkey Kong sollte 1981 eigentlich ein Popeye-Spiel werden. Wie eine geplatzte Lizenz zur Geburtsstunde von Mario wurde – mit Fakten-Check und Quellenlage.

Alexander Woitschach 27.07.2026
KI-Kurzfassung
  • Donkey Kong entstand 1981 bei Nintendo aus einem geplanten Popeye-Lizenzspiel, dessen Lizenz nicht rechtzeitig zustande kam.
  • Shigeru Miyamoto formte aus Popeye, Bluto und Olive Oyl die neuen Figuren Jumpman, Donkey Kong und Pauline und legte so den Grundstein für Mario.
  • Der Kernfakt ist neben GameStar auch durch ein offizielles Nintendo-Interview mit Miyamoto und ein frühes Design-Dokument belegt.
Stand: 27.07.2026

Eine der folgenreichsten Weggabelungen der Videospielgeschichte begann mit einer Absage: Donkey Kong, Nintendos Arcade-Durchbruch von 1981 und Geburtsstunde von Mario, war ursprünglich als Lizenzspiel zur Comic-Marke Popeye geplant. Erst als die Lizenz nicht zustande kam, baute ein junger Designer namens Shigeru Miyamoto das Konzept zu etwas Eigenem um. GameStar hat die Anekdote jüngst wieder aufgegriffen[1] – Anlass genug, die Geschichte einzuordnen und sauber gegen weitere Quellen abzusichern.

Die Ausgangslage 1980/81: Nintendo wollte ein Popeye-Arcade-Spiel

Um zu verstehen, warum Nintendo überhaupt auf Popeye setzte, muss man die Lage der Firma um 1980 kennen. Nintendo of America wollte mit dem Weltraum-Shooter Radar Scope den US-Arcade-Markt erobern – der Titel blieb jedoch weit hinter den Erwartungen zurück, und ein erheblicher Teil der bestellten Automaten stand unverkauft in den Lagern.[1] Die US-Tochter brauchte dringend ein neues Spiel, das die vorhandenen Gehäuse füllen und wirtschaftlich retten konnte.

Popeye lag als Kandidat nahe: Die Comic- und Zeichentrickfigur von E.C. Segar, vermarktet über King Features Syndicate, war Anfang der 1980er eine international bekannte, lizenzfähige Marke – und Nintendo nutzte sie bereits für andere Produkte. Shigeru Miyamoto bestätigte in einem offiziellen Nintendo-Interview von 2016, dass er ursprünglich gefragt wurde, ob er ein Spiel mit Popeye entwickeln könne, eben weil Nintendo die Marke damals schon für andere Produkte lizenzierte.[2]

Das ursprüngliche Konzept baute auf dem klassischen Figuren-Dreieck der Vorlage auf: Popeye als Held, sein Rivale Bluto als Widersacher, Olive Oyl als zu rettende Figur. Genau diese Konstellation – Bösewicht entführt die Partnerin, der Held muss sie zurückholen – sollte das Grundgerüst des Spiels bilden.

Die Lizenz-Absage und die Umwandlung durch Shigeru Miyamoto

Der Wendepunkt: Die Popeye-Lizenz wurde Nintendo für das Arcade-Projekt nicht (rechtzeitig) erteilt.[1][2] Statt das Konzept zu verwerfen, bekam Miyamoto – damals ein junger Designer, für den es das erste große eigene Spielprojekt war – die Aufgabe, aus dem bestehenden Entwurf ein eigenständiges Werk zu machen.

Die Lösung war eine Figuren-Transformation, die heute legendär ist:

Popeye-KonzeptWurde zuRolle im Spiel
BlutoDonkey KongDer Widersacher, der die Partnerin entführt
PopeyeJumpman (später Mario)Der Held, der klettert und Hindernissen ausweicht
Olive OylPaulineDie entführte Figur, die gerettet werden muss

Dass diese Umwandlung so reibungslos funktionierte, liegt am Spieldesign selbst: Das dramaturgische Grundgerüst – Rivale entführt Partnerin, Held steigt hinterher – ist nicht an bestimmte Figuren gebunden. Miyamoto konnte die Rollen neu besetzen, ohne die Spielmechanik neu erfinden zu müssen. Aus dem muskulösen Rivalen wurde ein tollpatschiger Gorilla, aus dem Spinat essenden Seemann ein springender Handwerker – und aus einem Lizenzproblem eine eigene Marke.

Wie früh der Popeye-Ursprung im Projekt verankert war, zeigt auch ein Anfang 2023 öffentlich gewordenes, frühes Design-Dokument aus Miyamotos Feder, über das unter anderem das Fachmagazin Nintendo Life berichtete – darin ist der Popeye-Bezug des späteren Donkey Kong dokumentiert.[3]

Eine kuriose Fußnote der Geschichte: Nach dem Erfolg von Donkey Kong kam die Popeye-Lizenz doch noch zustande – 1982 veröffentlichte Nintendo tatsächlich ein Popeye-Arcade-Spiel.[4]

Warum aus der Notlösung ein Meilenstein wurde

Donkey Kong erschien 1981 und wurde zum kommerziellen Durchbruch, den Nintendo of America nach dem Radar-Scope-Debakel so dringend brauchte.[1] Wichtiger noch als der kurzfristige wirtschaftliche Erfolg war die langfristige Wirkung: Mit Jumpman stand erstmals die Figur auf dem Bildschirm, die wenig später als Mario zum Aushängeschild des Unternehmens wurde. Ohne die geplatzte Popeye-Lizenz gäbe es weder Donkey Kong noch Mario in ihrer heutigen Form – Nintendos beide größte Marken verdanken ihre Existenz einer Absage.

Der Bogen zur Gegenwart ist dabei erstaunlich direkt: Donkey Kong ist bis heute eine aktive Kernmarke. Mit Donkey Kong Bananza erschien 2025 ein großer neuer Ableger exklusiv für die Nintendo Switch 2 – und an der Seite des Gorillas steht dort ausgerechnet Pauline, also genau die Figur, die 1981 aus Olive Oyl hervorging.[5] Die Figurenkonstellation von damals wirkt also 44 Jahre später noch nach.

Wer die neuen Donkey-Kong-Abenteuer auf aktueller Hardware spielt, stolpert übrigens über ganz andere Fragen als 1981: Was es mit den physischen Modulen der neuen Konsole auf sich hat, erklären wir im Artikel zur Game-Key-Card der Switch 2. Und warum die erste Switch-Generation hierzulande allmählich aufs Abstellgleis rollt, lest ihr in unserem Stück zum Marktende der Nintendo Switch in Deutschland. Wenn ihr solche Retro- und Entstehungsgeschichten mögt: In unserem wöchentlichen Digest sammeln wir regelmäßig die spannendsten Fundstücke aus News und Gaming-Historie.

Fakten-Check: Was ist gut belegt, was stammt aus Einzelquellen

Transparenz gehört bei historischen Anekdoten dazu – deshalb hier die Quellenlage im Überblick:

Gut belegter Konsens (mehrfach unabhängig dokumentiert):

  • Donkey Kong war ursprünglich als Popeye-Spiel geplant; nach dem Scheitern der Lizenz formte Miyamoto daraus ein eigenständiges Konzept. Das ist nicht nur die Darstellung von GameStar[1], sondern durch ein offizielles, von Nintendo selbst veröffentlichtes Miyamoto-Interview bestätigt[2] und zusätzlich durch ein frühes Design-Dokument gestützt.[3]
  • Die Figuren-Zuordnung Bluto → Donkey Kong, Popeye → Jumpman/Mario, Olive Oyl → Pauline ist Teil dieses mehrfach dokumentierten Kerns.[1][2][3]
  • Der Rahmenfakt, dass Popeye 1980/81 eine real existierende, über King Features lizenzfähige Marke war, ist unstrittig – Nintendo nutzte die Lizenz nachweislich, spätestens mit dem Popeye-Arcade-Spiel von 1982.[4]

Detailebene mit Vorsicht zu genießen:

  • Exakte Abläufe und das genaue Timing der Lizenzverhandlungen – also ob die Lizenz endgültig verweigert wurde oder schlicht nicht rechtzeitig kam – werden in verschiedenen Rückblicken unterschiedlich nuanciert erzählt. Wir formulieren hier bewusst offen („nicht rechtzeitig erteilt”).
  • Konkrete Verkaufszahlen zu Radar Scope schwanken je nach Darstellung; wir verzichten deshalb auf exakte Stückzahlen und halten fest, was übereinstimmend berichtet wird: Der Titel floppte in den USA, und Donkey Kong füllte die Lücke.[1]
  • Wörtliche Zitate aus der Entstehungszeit geben wir nicht wieder, sofern sie nicht in den verlinkten Quellen dokumentiert sind – erfundene Dialoge oder Szenen haben in einem Geschichtsstück nichts verloren.

Unterm Strich gehört die Popeye-Herkunft von Donkey Kong damit zu den seltenen Branchen-Anekdoten, die nicht nur gut klingen, sondern auch außergewöhnlich gut belegt sind – inklusive Bestätigung aus erster Hand.

Quellen

[1] GameStar – https://www.gamestar.de/artikel/donkey-kong-popeye,3452545.html [2] Nintendo UK (offizielles Interview mit Shigeru Miyamoto, 2016) – https://www.nintendo.com/en-gb/News/2016/November/Nintendo-Classic-Mini-NES-special-interview-Volume-1-Donkey-Kong-1152552.html [3] Nintendo Life – https://www.nintendolife.com/news/2023/01/early-donkey-kong-design-document-from-miyamoto-showcases-popeye-origin [4] CBR – https://www.cbr.com/popeye-nintendo-mario-donkey-kong-origins/ [5] Nintendo (offizielle Produktseite Donkey Kong Bananza) – https://www.nintendo.com/us/store/products/donkey-kong-bananza-switch-2/

KI-Hinweis: Dieser Beitrag wurde von unserer Redaktion recherchiert und geprüft. KI-Werkzeuge unterstützten lediglich bei Recherche und Zusammenfassung — jede Einschätzung ist redaktionell geprüft.

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Über den Autor Alexander Woitschach

Alexander „HeavyG“ Woitschach ist mehr als nur Gaming-Insider – er ist Gaming-Macher. Als früherer Profi-Spieler im Taktik-Shooter Wolfenstein: Enemy Territory kennt er den E-Sport von innen. Mit seiner Organisation one4one war er Pionier, Teamleiter und Netzwerker in einem – lange bevor E-Sports zum Mainstream wurde. Heute verbindet er seine Leidenschaft für Spieleentwicklung mit journalistischem Gespür: Als Entwickler arbeitet er aktiv an eigenen Projekten und bringt technische Tiefe in seine Artikel ein. Ob Engine-Insights, Genre-Guides oder News aus der Szene – HeavyG liefert den Blick hinter die Kulissen, den andere nur antippen.

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