Mittwoch · 14. Oktober 2026
| Anmelden
gaming-insider
Newsletter
Home / News / EU Kids Act: Was der Vorschlag der EU-Kommission für Games bedeutet
News 5 Min. Lesezeit

EU Kids Act: Was der Vorschlag der EU-Kommission für Games bedeutet

Die EU-Kommission hat den EU KIDS Act vorgestellt: Was der Verordnungsvorschlag zum Schutz Minderjähriger für Online-Spiele, Plattformen und Spieler bedeutet.

Alexander Woitschach 19.09.2026
KI-Kurzfassung
  • Die EU-Kommission hat am 17. September 2026 den EU KIDS Act vorgeschlagen, ein Gesetz zum Schutz Minderjähriger im Netz, das auch Online-Spiele erfasst.
  • Für Spiele sieht der Entwurf sicheres Design, ein Verbot suchtfördernder Funktionen für Minderjährige und klare Preisangaben für In-Game-Währungen vor.
  • Der Vorschlag ist noch kein geltendes Recht: EU-Parlament und Mitgliedstaaten müssen zustimmen, Änderungen am Text sind möglich.
Stand: 18.09.2026

Die EU-Kommission hat am 17. September 2026 einen Gesetzesvorschlag zum Schutz Minderjähriger im Internet vorgestellt — den sogenannten EU KIDS Act.[1] Der Entwurf betrifft nicht nur soziale Netzwerke: Online-Spiele gehören ausdrücklich zum Anwendungsbereich, wie ein Blick in die offiziellen Unterlagen zeigt.[1] Zuerst darauf hingewiesen hatte in der deutschen Games-Fachpresse unter anderem GamesWirtschaft.[4]

Anzeige

Die Meldung: Was ist der „EU KIDS Act"?

Hinter dem Kürzel KIDS steht „Keeping Internet Digital Spaces Accountable and Trustworthy" — ein Vorschlag der Kommission für eine EU-Verordnung.[2] Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um einen Entwurf, nicht um geltendes Recht. EU-Parlament und Mitgliedstaaten müssen dem Text im Gesetzgebungsverfahren erst zustimmen und können ihn dabei noch verändern.[2] Die Initiative läuft über das Digital-Ressort der Kommission, das Vizepräsidentin Henna Virkkunen verantwortet[2] — dieselbe Kommissarin, die sich erst kürzlich auf der gamescom 2026 selbst ein Bild von der Branche gemacht hat.

Kern des Vorschlags sind EU-weite Altersregeln für soziale Medien: kein eigenes Konto unter 13 Jahren, für 13- und 14-Jährige nur ein von Erziehungsberechtigten verwaltetes Konto mit eingeschränkten Funktionen, ein eigenständiges Konto erst ab 15.[3] Der Anwendungsbereich reicht aber deutlich weiter: Die Kommission nennt neben sozialen Netzwerken und Videoplattformen ausdrücklich Online-Spiele, App-Stores sowie KI-Begleiter und Chatbots.[1]

Inhaltlich steht der KIDS Act dabei nicht für sich allein, sondern knüpft an bestehendes EU-Digitalrecht an: Der Digital Services Act (DSA) verpflichtet Online-Plattformen schon heute allgemein dazu, Minderjährige angemessen zu schützen — der neue Vorschlag füllt diesen Rahmen mit konkreten Altersregeln und Design-Vorgaben. Auch bei der Durchsetzung erfindet die Kommission das Rad nicht neu: Für Online-Plattformen soll sie auf den bestehenden Aufsichtsstrukturen des DSA aufbauen, bei KI-Begleitern und Chatbots auf denen des AI Act.[3]

Wie geht es nun weiter? Der Vorschlag durchläuft das ordentliche Gesetzgebungsverfahren der EU: Das Europäische Parlament und der Rat der Mitgliedstaaten erarbeiten jeweils eine eigene Position zum Text und verhandeln anschließend über einen gemeinsamen Kompromiss.[2] Erst wenn sich beide Institutionen geeinigt haben, kann die Verordnung im EU-Amtsblatt veröffentlicht werden und nach einer Übergangsfrist wirksam werden. Dass dieser Weg dauern kann, zeigt der Blick auf ein vergleichbares Vorhaben: Beim Digital Services Act vergingen vom Kommissionsvorschlag Ende 2020 bis zur vollständigen Anwendung Anfang 2024 gut drei Jahre.

Was der Vorschlag konkret für Videospiele bedeutet

Für Games sind vor allem die Design-Pflichten relevant. Der Entwurf verlangt „Safety by Design" und dreht die Beweislast um: Anbieter müssen künftig darlegen, dass ihre Dienste altersgerecht und sicher gestaltet sind.[3] Untersagt werden sollen für Minderjährige suchtfördernde Funktionen — genannt werden unter anderem endloses Scrollen ohne Stopp-Punkte, Belohnungstricks und Push-Benachrichtigungen zu Schlafenszeiten.[1] Konten Minderjähriger sollen standardmäßig privat sein, mit deaktivierter Standortfreigabe, Kamera und Mikrofon.[3] Hinzu kommen Vorgaben für Empfehlungssysteme und Kontaktmöglichkeiten: Empfehlungsalgorithmen sollen für Minderjährige entschärft, ungewollte Kontaktaufnahmen durch Fremde erschwert werden.[3]

Laut GamesWirtschaft taucht das Wort „Game" an über 100 Stellen im Entwurf auf; zudem soll der Echtgeld-Gegenwert virtueller Währungen — also etwa von In-Game-Coins und Premium-Währungen — künftig klar ausgewiesen werden müssen.[4] Berichten zufolge sollen außerdem App-Stores verpflichtend Systeme zur Alterssicherung einsetzen.[6] Bei Verstößen sieht der Entwurf laut Medienberichten Bußgelder von bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vor.[5]

Betrifft das PS5-, Xbox-, Switch- und PC-Spieler:innen direkt?

Kurzfristig ändert sich nichts. Der Vorschlag adressiert Plattformbetreiber, Store-Anbieter und Publisher — nicht die Spieler:innen selbst. Und da das Gesetzgebungsverfahren erst beginnt, ist offen, wann und in welcher Form Regeln tatsächlich wirksam werden; verlässliche Termine gibt es dafür noch nicht.[2]

Mittelfristig könnten erwachsene wie minderjährige Nutzer:innen die Folgen aber durchaus bemerken: etwa durch zusätzliche Altersabfragen bei der Kontoerstellung, geänderte Standard-Einstellungen für Minderjährige oder transparentere Preisangaben bei In-Game-Käufen — je nachdem, was vom Entwurf am Ende übrig bleibt. Die bestehenden Alterskennzeichen USK und PEGI ersetzt der Vorschlag nicht; er setzt auf Plattform- und Design-Ebene an. Wie viel Gewicht diese Kennzeichnungssysteme im Alltag haben, zeigt aktuell die Diskussion um die noch offene Altersfreigabe von GTA 6.

Reaktionen aus der Games-Branche

Der europäische Branchenverband Video Games Europe warnte in einer ersten Stellungnahme vor zu weitreichenden Beschränkungen und forderte weitere Gespräche über den Entwurf. Der Verband verlangt, dass die etablierten Alterskennzeichnungssysteme PEGI und USK als Standard für in Europa verkaufte Spiele verankert werden, und betont, neben dem Schutzanspruch von Kindern müsse auch deren Recht auf Spiel und Zugang zu Kultur gewahrt bleiben.[6] Jugend- und Verbraucherschützer begrüßten die Initiative dagegen überwiegend.[4]

Kurz zusammengefasst

  • Was ist der EU KIDS Act? Ein am 17. September 2026 vorgestellter Verordnungsvorschlag der EU-Kommission zum Schutz Minderjähriger im Netz.[1]
  • Was heißt das für Games? Online-Spiele und App-Stores fallen in den Anwendungsbereich: sicheres Design als Pflicht, Verbot suchtfördernder Funktionen für Minderjährige, klare Echtgeld-Angaben bei virtuellen Währungen.[1][4]
  • Was ist noch offen? Alles Weitere hängt am Gesetzgebungsverfahren: Parlament und Rat müssen zustimmen, der Text kann sich ändern, Fristen stehen nicht fest.[2]
  • Wo gibt es offizielle Updates? Auf der KIDS-Act-Seite der EU-Kommission.[2] Wir ordnen die nächsten Verfahrensschritte hier und in unserem wöchentlichen News-Digest ein, sobald es Neues gibt.

Quellen

[1] Europäische Kommission – https://commission.europa.eu/news-and-media/news/eu-kids-act-helping-children-navigate-safer-online-world-2026-09-17_en [2] Europäische Kommission (Shaping Europe's Digital Future, KIDS Act) – https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/kids-act [3] Europäische Kommission (FAQ: The KIDS Act explained) – https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/faqs/kids-act-explained [4] GamesWirtschaft – https://www.gameswirtschaft.de/politik/kids-act-eu-kommission-games-branche-180926/ [5] netzpolitik.org – https://netzpolitik.org/2026/eu-kids-act-eu-kommission-will-netz-mit-alterskontrollen-zupflastern/ [6] Mobilegamer.biz – https://mobilegamer.biz/video-games-europe-warns-against-sweeping-restrictions-proposed-in-the-eu-kids-act/

KI-Hinweis: Dieser Beitrag wurde von unserer Redaktion recherchiert und geprüft. KI-Werkzeuge unterstützten bei Recherche, Zusammenfassung und Bildgestaltung — jede Einschätzung ist redaktionell geprüft.

#digitalpolitik #eu-kommission #games-branche #jugendschutz #kids-act #regulierung
Über den Autor Alexander Woitschach

Alexander „HeavyG“ Woitschach ist mehr als nur Gaming-Insider – er ist Gaming-Macher. Als früherer Profi-Spieler im Taktik-Shooter Wolfenstein: Enemy Territory kennt er den E-Sport von innen. Mit seiner Organisation one4one war er Pionier, Teamleiter und Netzwerker in einem – lange bevor E-Sports zum Mainstream wurde. Heute verbindet er seine Leidenschaft für Spieleentwicklung mit journalistischem Gespür: Als Entwickler arbeitet er aktiv an eigenen Projekten und bringt technische Tiefe in seine Artikel ein. Ob Engine-Insights, Genre-Guides oder News aus der Szene – HeavyG liefert den Blick hinter die Kulissen, den andere nur antippen.

Anzeige
Weiterlesen

Das könnte dich auch interessieren

News The Crew Motorfest: Tomb-Raider-Crossover „Secrets of Ni’ihau“ ist live
TL;DR
  • The Crew Motorfest hat seit dem 7. Oktober 2026 ein offizielles Tomb-Raider-Crossover: das Premium-DLC „Tomb Raider: Secrets of Ni'ihau“ in Season 11.
  • Das DLC bringt eine neue Insel, eine Story-Playlist mit Lara Croft, eine T-Rex-Verfolgung und fünf exklusive Fahrzeuge, darunter ein 6x6-Geländewagen.
  • Gemeint ist das Ubisoft-Rennspiel, nicht Forza: Season 11 erweitert zudem die frei zugängliche Karte und bringt das Spiel auf die Switch 2.
11.10.2026 · 6 Min. Lesezeit
News Nächste Xbox: „Project Helix” soll eine ganze Gerätefamilie werden – was dran ist und was unbestätigt bleibt
TL;DR
  • Die nächste Xbox-Generation soll laut Berichten keine einzelne Konsole, sondern eine ganze Gerätefamilie unter dem Projektnamen Project Helix werden.
  • Offiziell bestätigt ist Microsofts Mehrgeräte-Strategie mit AMD-Partnerschaft, Geräteanzahl, Technik und Zeitplan sind dagegen unbestätigt.
  • Eine Pressemitteilung oder ein Xbox-Wire-Beitrag zu Project Helix fehlt bislang, wir aktualisieren bei neuen offiziellen Informationen.
10.10.2026 · 6 Min. Lesezeit
News PC Games 11/26: WoW-Forever-Coverstory, FC-27-Test und Diablo-5-Preview — das steckt in der neuen Ausgabe
TL;DR
  • PC Games 11/26 erscheint am 16. Oktober 2026 mit einer Coverstory zu World of Warcraft Forever, einem Test zu EA Sports FC 27 und einer Preview zu Diablo 5.
  • Diablo 5 wurde laut Fachmedien auf der BlizzCon 2026 enthüllt, Release-Fenster Frühjahr 2029 — eine Blizzard-Pressemitteilung dazu fehlt bislang.
  • Das Heft kostet 6,99 Euro, die Extended-Variante mit zwei DVDs und der Vollversion Encased 8,99 Euro; die FC-27-Testwertung nennt die Ankündigung nicht.
10.10.2026 · 7 Min. Lesezeit

Kommentare · 0

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert